Warum ich serverseitige Mail-Filter nutze und das Dilemma mit Thunderbird-Addons

Avatar of Falko Falko - 02. October 2020 - Anwendungen, Anwendungen

Serverseitige Mail-Filter mit Sieve

... oder wie ich gerne unnötige Zeitfresser vermeide

Heute bin ich wieder mal über das Problem gestolpert, dass sich plötzlich im Thunderbird etwas nicht mehr so verhält, wie ich es gewohnt bin. Das hat einerseits damit zu tun, dass ich alles, was Zeit fressen könnte, möglichst wegautomatisiere und gleichzeitig doppelte Arbeit vermeiden möchte/muss.

Serverseitige Filter (oder "sieve" = engl. Sieb) haben den entscheidenden Vorteil, dass Mails automatisch in Ordner "weg-"sortiert werden können. Da das auf dem Mailserver passiert, brauch ich mich weder auf Handy, Tablet, in Webmail oder wo auch immer ich Mails lesen will darum zu kümmern, also am Client. Sondern der Server erledigt das für mich. Normalerweise (= "normal für mich". hallo Hetzner, warum geht das bei euch nicht??) ist das Sieve-Protokoll auf dem Server aktiviert - zumindest wenn man einen eigenen Mailserver betreibt, auf jeden Fall zu empfehlen.

BTW: Bei GMail heißt das Nachrichtenfilter und es gibt eine Beispielsammlung.

Die Sache mit Thunderbird und dem Sieve-Addon

Für die Bearbeitung dieser Sieve-Filter gibt es nun mehrere Möglichkeiten - eine ist z.B. den Webmailer Roundcube auf dem Server zu verwenden und dazu dann im Roundcube das managesieve-Plugin zu aktivieren. Dann lassen sich die Filter "grafisch" per Web-GUI bearbeiten ... eher nix für Programmierer, aber für normale Nutzer perfekt.

Für Thunderbird gab/gibt es entsprechend ein Addon, mit dem sich diese Filter einfach unter Nutzung der Sieve-Sprache mit Regeln wie if, else, regex, header, contains usw. bearbeiten lassen - schon eher etwas für Programmierer. An sich kein Hexenwerk - das Thunderbird-Addon muss nur die Verbindung zum Server-Port 4190 aufbauen, die Regeln laden, bearbeiten und wieder zurück schreiben. Das Ganze noch schön mit Syntax-Prüfung und Suche ... läuft jahrelang.

Bis die Kollegen bei Mozilla dann anfangen, die Addon-Schnittstellen zu ändern. Teilweise kein Addon-Programmierer mehr hinterher kommt, die kompatiblen Versionen im Addon nachzutragen. Die Addons komplett neu programmiert werden müssen. Und als ich heute feststelle, dass das Sieve-Plugin im Thunderbird "mal wieder" nicht funktioniert, finde ich das:

Rezension bei Mozilla-Addons:

github.com/thsmi/sieve/


Several years ago Mozilla made a strange decision. They dropped their very flexible addon system and copied the extremely limited WebExtensions from Google Chrome.
An this ultimately meant for Thunderbird that "classic" addons will go way.

Now in 2020 classic Thunderbird addons are dead. Which meant for the addon it needed to evolve and drop its Thunderbird dependencies. It is now a portable standalone application!

Mit anderen Worten: es gibt das Addon zwar noch. Aber die Entscheidung, dieses Addon umzubauen zu einer eigenständigen - und damit von Thunderbird im Grunde unabhängigen - Anwendung ist wirklich eine gute Idee..

Manage Sieve Scripts - Webanwendung

Inzwischen gibt es ja mit "AppImage" die Möglichkeit, eine ausführbare Linux-Anwendung ohne weitere Abhängigkeiten zu nutzen. Oft hab ich das noch nicht gemacht - aber angefangen z.B. beim Foto-Manager DigiKam war das eine perfekte Möglichkeit, gleich die neueste Version haben zu wollen.

Was soll ich sagen: die Sieve App funktioniert einfach (unter Linux. Windows noch nicht getestet, aber funktioniert sicher genauso). Der Import der Einstellungen von Thunderbird klappt ebenfalls tadellos. Und nun hoffentlich immer und unabhängig von den Mozilla-Entwicklern :)

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